Rheingalerie darf keine Ausrede für eigene Versäumnisse sein
Samstag, 22.Mai 2010 von Michael

Gestern war in der lokalen Presse ein netter Artikel, der sich mit der Leerstandsproblematik in Ludwigshafen, insbesondere in der Innenstadt, beschäftigt hat. In diesem Zusammenhang wurde auch die Rheingalerie thematisiert, die ja in Diskussionen innerhalb der Ludwigshafener Bevölkerung oftmals in Verbindung mit den Worten „Denkmal“, „Lohse“ und „Walzmühle“ fällt. Schon jetzt ist klar, dass kommende Leerstände sicherlich der Rheingalerie zugeschrieben werden. Für die Fünf in Mathe ist ja angeblich auch immer der Lehrer und nicht der Schüler verantwortlich. So einfach darf man es sich aus meiner Sicht nicht machen.
Ich empfehle jedem sich die vorhandenen Leerstände mal etwas genauer anzuschauen. Viele davon sind mittlerweile eher bessere Baracken. Selbst wer unbedingt in Ludwigshafen ein Geschäft eröffnen möchte, würde sicherlich nicht solche Räumlichkeiten anmieten. Es bedürfte nämlich zunächst einer kostspieligen Rundumsanierung. Trotz finanzieller Anreize seitens der Stadt blieb dies jedoch bislang weitestgehend aus. Die Rheingalerie kann hierfür sicherlich nicht verantwortlich gemacht werden.
Einige Geschäfte scheinen auch die Zeichen der Zeit noch nicht so richtig erkannt zu haben. Einen nicht unerheblichen Teil der Umsätze generieren Firmen heutzutage über das Online-Geschäft. Wenige Inhaberbetriebe scheinen diesbezüglich jedoch ordentlich aufgestellt zu sein. Ausnahme ist wie so oft das Schuhfachgeschäft Keller, dessen Inhaber der Eröffnung der Rheingalerie entspannt entgegensieht und aus meiner Sicht auch entgegensehen kann. Hier stimmt das Sortiment, die Beratung und ja, auch der Webauftritt ist beispielhaft. Wer sich so positioniert hat, dem muss nicht Angst und Bange sein.
Wer jedoch heute seinen Laden noch so führt wie vor zehn Jahren, der muss zwangsläufig irgendwann den Anschluss verlieren. Das gilt nicht nur für die Kleinen, sondern auch für die Großen. Der Kaufhof ist hierfür ein gutes Beispiel. Seit etlichen Jahren hat sich hier nichts getan und dass er in Kürze schließt, ist ohne Frage auch eine Folge von langjähriger Misswirtschaft und Einfallslosigkeit. Auch hier hätte schon lange renoviert werden müssen, denn der Kaufhof lädt schlichtweg nicht zum Einkaufen ein. Die Leute gehen heute schließlich nicht mehr einkaufen, sondern „shoppen“. Man erwartet zumindest ein klein wenig Lifestyle, denn einkaufen kann man schließlich auch bequem von zu Hause aus übers Internet.
Wer in wirtschaftlichen Zeiten wie diesen bestehen und verkaufen will, der muss darüber hinaus das anbieten, was gefragt ist, und nicht das, was alle anderen auch verkaufen. Gerade hier sehe ich für kleine Fachgeschäfte mit der Eröffnung der Rheingalerie eine Chance. Es ist nämlich zu erwarten, dass die Mietpreise in der Innenstadt nach unten gehen werden, um den Run in die Rheingalerie einzudämmen bzw. um die Nachfrage beizubehalten. Dadurch können sich vielleicht künftig Fachgeschäfte niederlassen, die sich dies bislang aufgrund der zu hohen Mietkosten nicht leisten konnten. Wo ein Fachgeschäft letztendlich angesiedelt ist, ist unterm Strich ohnehin egal. Wenn ich beispielsweise Jonglageartikel benötige, dann gehe ich in Mannheim in den „Luft & Liebe“, auch wenn sich das Geschäft nicht mitten auf den Planken befindet. Denn weder auf den Planken noch sonst irgendwo im Umkreis werde ich Jonglageartikel in dieser Auswahl und Qualität bekommen.
Zusammenfassend muss deshalb gesagt werden, dass die Rheingalerie für die Schließung eines Geschäftes nur dann verantwortich gemacht werden darf, wenn
- der Vermieter eine zeitgemäße und attraktive Ladenfläche in ausreichender Größe vorhält,
- der Mieter sich in ausreichendem Maße an den Kundenwünschen orientiert und
- der Mieter mit Qualität, Service und auch mit dem Preis überzeugen kann.
Wenn auch nur eines der genannten Kriterien nicht erfüllt ist, dann sind die Probleme hausgemacht und nicht auf externe Einflüsse, insbesondere auf die Rheingalerie, zurückzuführen. Wer diese Kriterien jedoch erfüllt, der wird meiner Meinung nach von der Rheingalerie und der dadurch zusätzlich zu erwartenden Laufkundschaft profitieren.


Es stimmt was du sagst, die Bausubstanz vieler Läden in der Innenstadt lässt zu wünschen übrig. Was jedoch deine Aussage betrifft, daß die Menschen nur noch zum „shoppen“ in die Stadt gehen, muß ich dir Widersprechen, denn viele ältere Menschen haben eben nicht die Möglichkeit, gewollt oder ungewollt, im Internet einzukaufen und gehen noch zum Einkaufen aus dem Haus. Wenn auch aufgrund des Angebots nicht in die Ludwigshafener Innenstadt. Es wird interresant zu beobachten wie sich die Rheingalerie auswirkt viel zu zerstören hat sie ja nicht.
Ich kann dir nur zustimmen, dass Ladenbesitzer sich kaum beschweren können, wenn die Kundschaft ausbleibt, wenn sie vom Angebot und der Beratung her nicht aktuell sind. Das Interview in der Rheinpfalz von heute mit Herrn Keller fand ich dazu ganz gut. Was Herr Keller da so gesagt hat, halte ich für richtig. In der Innenstadt werden wohl Fachgeschäfte, die Nischen abdecken, mit guter Beratung die besten Chancen haben. Ich denke, hierzu passt auch, was du zurecht sagst, Torsten. Ich glaube, gerade ältere Menschen wissen die individuelle Betreuung in solchen Geschäften sehr zu schätzen. Junge Menschen gehen vielleicht bevor sie viel Geld ausgeben eher mal ins Internet und vergleichen Qualität und Preise. Ältere Menschen tun das eher nicht.
Ich hoffe jedenfalls sehr, dass die Rheingalerie für die Fachgeschäfte in der Innenstadt eine positive Wirkung haben wird. Von der Homepage von Schuh Keller bin ich jedenfalls auch sehr angetan. Sowas sollten mehr Läden anbieten.