Abonnieren: Artikel / Kommentare

Migrationsquote im öffentlichen Dienst?

Freitag, 23.April 2010 von Michael

Aktuelles, Politisches Geschehen

In den letzten Tagen wurde vereinzelt über einen Antrag der Linken im Ludwigshafener Stadtrat diskutiert. Diese fordern eine Migrantenquote für Neueinstellungen bei der Stadtverwaltung und städtischen Töchtern (TWL, Klinikum, GAG, etc.). Intention des Ganzen ist, dass die Verwaltung in etwa so zusammengesetzt sein sollte wie die Stadt selbst. Was auch immer man von dieser Idee halten mag, sie ist nicht neu. Mannheim hat diesbezüglich erst kürzlich eine Initiative gestartet und sich einen entsprechenden Migrantenanteil im öffentlichen Sektor als festes Ziel gesetzt. Der Antrag der Linken ist insofern schon mal wesentlich realistischer als viele der letzten Forderungen (die bei Umsetzung teilweise sogar gegen bestehende Gesetze verstoßen hätten). Dennoch wurde der Antrag eindeutig abgelehnt. Hat Ludwigshafen damit versäumt einen Beitrag zur Integration zu leisten? Wird in den zahlreichen Diskussionen rund um das Thema Migration/Integration etwa nur Wasser gepredigt und dann, wenn es darauf ankommt, Wein getrunken? Ich denke nicht!

Eine Migrantenquote mag auf den ersten Blick fair und erstrebenswert klingen, doch schon allein, wenn man darüber sinniert, was jetzt genau unter Migrationshintergrund fällt und was nicht, bricht das Ganze scheinbar wie ein Kartenhaus zusammen. Unser Sozialdezernent Wolfgang van Vliet (SPD) beispielsweise hat wie man unschwer am Namen erkennen kann holländische Wurzeln, ist jedoch hier geboren und aufgewachsen. Zählt das nun als Migrationshintergrund oder nicht? Was ist mit Kindern, die einen deutschen und einen ausländischen Elternteil haben? Sollen die Bewerber künftig den Unterlagen etwa einen Familienstammbau beifügen? Warum soll ich jemanden mit ausländischen Wurzeln und deutschem Pass, der voll integriert ist und obendrein vielleicht noch, im Gegensatz zu mir, Hochdeutsch beherrscht, in eine Schublade stecken, in die er gar nicht rein möchte? Das ist für mich das genaue Gegenteil von Integrationspolitik.

Des Weiteren muss man darüber diskutieren, was eine solche Quote überhaupt aussagt. Haben wir etwa eine gute Integrationsarbeit geleistet, wenn wir im öffentlichen Sektor viele Müllwerker mit türkischem oder polnischem Hintergrund beschäftigen und dadurch die Quote pushen? Wohl kaum. Ziel müsste es eher sein, möglichst viele Menschen mit Migrationshintergrund in den mittleren oder gehobenen Dienst zu bekommen. Dies ist aufgrund von Bundesgesetzen jedoch nur eingeschränkt möglich, denn wer Beamter sein und damit der Bundesrepublik Deutschland dienen möchte, der muss einen EU-Pass haben. Unsere türkischen und kroatischen Freunde haben da zum Beispiel schon mal Pech gehabt. Selbstverständlich bleibt ihnen der Weg in den mittleren oder gehobenen Dienst nicht völlig versperrt, denn die Stadt beschäftigt ja nicht nur Beamte, sondern auch – sogar mehrheitlich – Angestellte. Dennoch wäre hier ein bundespolitischer Ansatz, auch Nicht-EU-Bürgern die Beamtenlaufbahn dem Grunde nach zu ermöglichen. Der Ludwigshafener Stadtrat hat aber darauf genauso wie die Verwaltung selbst keinerlei Einfluss.

Bisher bin ich zu dem Ergebnis gekommen, dass das Kriterium „Migrationshintergrund“ viel zu wachsweich und dass eine solche Quote im Zweifelsfall wenig aussagefähig ist. Doch selbst wenn sich diese beiden Probleme lösen ließen, so wäre ich dennoch gegen eine Quote, da ich in der Stadtverwaltung Ludwigshafen hierfür keine Notwendigkeit sehe. Bei einer Bewerbung fließen bereits jetzt viele soziale Indikatoren ein und insgesamt lässt sich konstatieren, dass eine gewisse Vielfalt – sei es nach Merkmalen wie Nationalität, Geschlecht, Alter oder Berufsgruppe – schon jetzt unabhängig von irgendwelchen Zwängen geschätzt und gefördert wird. Angewandte Integrationspolitik heißt für mich letztendlich, dass man alle gleich behandelt. Eine Quote widerspricht genau diesem Ansatz, denn wir wollen qualifizierte Migranten und keine Quoten-Migranten.

2 Kommentare

  1. Jan-Eric sagt:

    Ich finde es sehr sinnvoll, wenn vermehrt Menschen mit Migrationshintergrund in Ämtern (z.B. Arbeitsagentur, Kfz-Zulassungsstelle, etc.) arbeiten würden, denn das würde sprachliche Probleme weitesgehend aus dem Weg schaffen. Natürlich müssen die Personen, die dort arbeiten wollen, auch eine gewisse Qualifikation mitbringen.

    Eine Migrationsquote lehne ich, wie auch eine Frauenquote, vehement ab, da solche Quoten meiner Meinung nach genau das Gegenteil bewirken. Eine Migrationsquote schürt eher noch mehr Abneigung, wenn z.B. ein Nicht-Migrant aufgrund einer solchen Quote einen Job nicht bekommt. Außerdem sollten doch bitte alle Jobs nach Kriterien wie Leistung oder soziale Kompetenz vergeben werden; und nicht danach, ob jener Bewerber jetzt männlich, weiblich, Migrant oder Deutscher ist!

  2. Hella sagt:

    Im Prinzip sehe ich das wie ihr: Quoten jeglicher Form halte ich für falsch, egal ob Frauen-, Migranten- oder sonstige Quoten. Meines Erachtens verfestigen sie Stereotype und verlangsamen damit die Integration statt sie zu fördern. In der Politik lässt sich ja zur Genüge beobachten, wie oft erfolgreiche Frauen als Quoten-Frauen abgetan werden, selbst wenn sie ihren Erfolg unabhängig der Frauenquote aus eigener Kraft, durch gute Leistungen und großes Engagement erreicht haben. Die Quote bietet also der anderen Gruppe, also den Männern bzw. Nicht-Migranten, immer die Möglichkeit erfolgreiche Frauen bzw. Migranten herabzuwürdigen, indem sie deren Erfolg rein auf die Quote zurückführen. Statt Quoten einzuführen, sollte vielmehr strenger darauf geachtet werden, dass wirklich die Qualifikationen, Leistung und Fähigkeiten entscheidend sind. Vorhandener Diskriminierung in Bewerbungsverfahren könnte z.B. entgegengewirkt werden, indem den Personen, die über die Einstellung entscheiden, weder das Geschlecht noch die Ethnizität, Religion etc. der Bewerber mitgeteilt wird. In den USA ist es z.B. Standard, dass Bewerbungen kein Foto enthalten und die Namen vorher geschwärzt werden, damit Geschlecht und mögliche ethnische Zugehörigkeit des Bewerbers den Entscheidungsträgern unbekannt sind.
    Das halte ich einer Gleichbehandlung und damit der Integration für deutlich zuträglicher als eine Quote.

Kommentar schreiben

Herzlich Willkommen!

Herzlich Willkommen auf dem kommunalpolitischen Blog der Jusos Ludwigshafen!



Wir haben es uns zum Ziel gesetzt, die aktuellen politischen und gesellschaftlichen Geschehnisse in Ludwigshafen kritisch zu beleuchten. Zwar sympathisieren wir naturgemäß mit der SPD, dennoch haben wir den Anspruch, eine gewisse Objektivität zu wahren. Die Artikel und Kommentare stellen dabei die Meinung des jeweiligen Autors dar und nicht zwangsläufig die offizielle Juso-Position.



Zudem wollen wir allen interessierten Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit geben, die Artikel zu kommentieren und mit uns zu diskutieren. Du bist also herzlich dazu eingeladen unsere Beiträge zu kommentieren! Wir sind auf deine Anregungen gespannt und freuen uns darüber, neue Impulse für unsere politische Arbeit zu erhalten.